17/09/2018

Manichäer, Paulikianer, Bogumilen, Katharer – vom Katholizismus verfolgt

(6) Nur wenig bekannt ist über die urchristlichen Bewegungen der letzten 2000 Jahre, die von der katholischen und später auch der evangelischen Kirche mörderisch verfolgt wurden und die in der Kirchengeschichtsschreibung oft verschwiegen werden oder vor allem mit ein paar Verleumdungen überzogen werden. Nachdem der Katholizismus im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion wurde und die Zeit der Christenverfolgung durch die Kirche begann, traf es als eine der ersten Gemeinschaften die Manichäer, von ihren Gegnern benannt nach dem Propheten Mani, der im 3. Jahrhundert lebte. Mani wusste, dass Christus bei Seiner Ermordung allen Seelen und Menschen den “Erlöserfunken” als zusätzliche innere Stütze und Kraftquelle übertrug, damit jeder einst wieder den Weg zurück in die ewige Heimat finden kann, was von den Kirchen ebenfalls verleugnet wird. Mani lehrte auch, dass der Geist Gottes in jedem Tier, in jeder Pflanze, in jedem Stein gegenwärtig ist.

Besonders grausam verfolgt wurden vom 7. bis zum 9. Jahrhundert die Paulikianer, welche das Priestertum, die religiöse Machtausübung und den “Heiligen”-Kult ablehnten. Sie nannten sich “Begleiter des Volkes” und setzten sich auch für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein. Kaiserin Theodora II., welche im Jahr 843 letztlich den Befehl zur Massenhinrichtung aller Paulikianer gab, die sich der Machtkirche nicht unterwarfen, wird bis heute als “orthodoxe” Kirchenheilige verehrt. 100.000 Paulikianer wurden gesteinigt, verbrannt, geköpft oder starben einen grausamen Foltertod – bis die Kirchenführung dieses “Problem” ganz ausgemerzt hatte.

Doch im 10. Jahrhundert sammelten sich erneut Menschen des Freien Geistes auf dem Balkan. Die bulgarischen “Gottesfreunde”, wie man die Bogumilen auch nannte, lebten vegetarisch und waren gewaltlos. Sie glaubten auch an die Freiheit des Willens und lehnten jeden Glaubenszwang ab. Wie die ersten Urchristen glaubten sie an die Möglichkeit einer Wiederverkörperung der Seele, eine Reinkarnation, und sie klärten darüber auf, dass die angebliche ewige Verdammnis eine katholische Erfindung ist. Der Gemeindevorsteher Bogumil begann sein öffentliches Wirken um 935. Er wusste wie auch einst Mani von dem inneren Lichtfunken in jeder Menschenseele. Der Mensch als “Gefäß” soll die Kraft der inneren Sonne, die Christuskraft, in sich zum Leuchten bringen. Die Lehre und Lebensführung der urchristlichen Bogumilen war in ihrer Schlichtheit und Klarheit eine Gefahr für die Machtausübung der Priestgilde, für die katholische ebenso wie dann ab dem Jahr 1054 für die von ihr getrennte orthodoxe. Ihre Lehre entzog einer kirchlichen Rechtfertigung von Sklaverei, Leibeigenschaft, Reichtum und Ausbeutung den Boden, wie zuvor bei den Paulikianern. Deshalb wurden sie grausam verfolgt und hingerichtet. Die katholisch-byzantinische Herrscher Basileios II. befahl im Jahr 1014, 14.000 Kriegsgefangenen aus dem Lager von Zar Samuel, der mit den Bogumilen sympathisierte, die Augen auszustechen. Nur jedem Hundersten wurde ein Auge belassen, damit er die übrigen “heimführen” können , womit die urchristliche Lehre vom “inneren Licht” verhöhnt werden sollte.

Man kann zwar Menschen töten, doch das geistige Potenzial, das sie aufgebaut und vermehrt haben, bleibt erhalten. Es speist den urchristlichen Strom, der immer wieder auftaucht und Menschen berührt. So entstand, ausgehend von Südfrankreich, die urchristliche Bewegung der Katharer, die auch ihre Kreise zog nach Deutschland, Italien und Spanien. Auch sie wurden zigtausendfach ermordet auf Veranlassung der römisch-katholischen Inquisition. Im Jahr 1208 rief Papst Innozenz III. schließlich einen Kreuzzug gegen sie aus. Von 1209-1229 wurden sie daraufhin im Auftrag der Romkirche massakriert. Im Jahr 1244 eroberten 10.000 katholische Kreuzfahrer die letzte Bastion der Katharer, die Burg Montsegur. 225 Katharer wurden lebendig verbrannt, weil sie sich nicht der katholischen Machtkirche unterwerfen wollten.
Im Jahr 1862 hat dann der selig gesprochene Papst Pius IX. lehramtlich bekräftigt, die Kirche müsse “alles entfernen und ausmerzen, was [ihrer Meinung nach] dem Seelenheil irgendwie schaden könnte”. Millionen von Menschen wurden in diesem Sinne ausgemerzt.

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Das Kettenopfer, Folge 6: Manichäer, Paulikianer, Bogumilen, Katharer – vom Katholizismus verfolgt – 52:30 Minuten

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