04/06/2018

Der Theologe – Folge 9: Zungenreden ist Vulgärspiritismus

    (Dauer: 23:00 Minuten)

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es so genannte “Pfingstkirchen”, die vor allem Jugendliche und junge Menschen ansprechen, z. B. durch viel begleitende weiche und stimmungsvolle Pop-Musik während der Veranstaltungen. Meist zählen sie zu den so genannten evangelischen “Freikirchen”, es gibt jedoch auch eine Gruppierung, die sich “Charismatische Erneuerung in der Katholischen Kirche” nennt und dem Papst im Vatikan untergeben ist.
Ein Kennzeichen dieser Gemeinschaften ist das Zungenreden (auch Sprachengebet oder Glossolalie genannt), bei dem ein Mensch in einer ihm ansonsten fremden Sprache betet oder redet. Oder er spricht in seinem Gebet mit gänzlich unverständlichen Lauten. Dies wird als eine Art übersinnliches “Geschenk” interpretiert, das angeblich von Gott komme. Es wird behauptet, es handle sich um das Wirken des “Heiligen Geistes”. Doch es ist, wie die vergleichende Religionswissenschaft herausarbeitet, eine Erscheinungsform des Spiritismus oder Vulgärspiritismus. Mit diesen Begriffen werden unterschiedliche Varianten der Geister- bzw. Totenbeschwörung bezeichnet. Auch beim Zungenreden bemächtigt sich eine Seele aus den jenseitigen Welten des Gläubigen, und es kommt zu einer Form der Besetzung bzw. Besessenheit. Auch die mit dem Zungenreden verwandten Phänomene in jenen Pfingstkirchen bzw. bei den so genannten Charismatikern weisen deutlich auf diese Ursache hin: Plötzlicher Kontrollverlust über den eigenen Körper, wodurch die Gläubigen umfallen und eine Zeitlang regungslos am Boden liegen, dauerndes Lachen oder rhythmische Zuckungen bis hin zu gellenden Schreien. Im letzteren Fall wird selbst von den Anhängern zugegeben, dass dies wohl ein Dämon sein müsse und Exorzisten werden tätig, um das Geschrei zu beenden. Ein weiteres Kennzeichen sind behauptete Heilungen von Krankheiten, was sich jedoch meist als kurzfristiges Phänomen erweist, da in der extremen Situation emotionaler Aufwallung bei den Veranstaltungen die körperlichen Krankheitssymptome eine Zeitlang in die Seele zurück gedrängt werden können. Von dort können sie aber jederzeit wieder aufbrechen. Oft kommt es zu Depressionen, da die Wesen, die durch die vulgärspiritistischen Praktiken gerufen werden, ihre Lebensenergie z. B. auch für das Zungenreden von dem auf diese Weise Betenden oder von anderen Anwesenden wegnehmen.
Dies alles hat nichts mit Jesus, dem Christus, und mit dem christlichen Glauben zu tun, und es wird zu Unrecht auf die Ereignisse in Jerusalem beim ersten so genannten “Pfingstfest” zurückgeführt. Dort hatte der der Gottes-Geist (auch “Heiliger Geist” genannt) bewirkt, dass die Festbesucher den Inhalt der Rede des Petrus in ihrem Inneren intuitiv erfassten, obwohl sie die Sprache im Äußeren nicht verstanden hatten. So wird es in unserer Zeit durch Prophetenwort erklärt. Es gab damals also kein Zungenreden. Erst bei Paulus und seinen Anhängern kam es vor, vergleichbar den spiritistischen Kulten der Antike, wo es ebenfalls üblich war.

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