04/06/2022

Hexenverfolgung in Bamberg: Ein kirchliches Welt-Unkulturerbe

Der Modus gestern und heute – Spezial Nr. 27: Hexenverfolgung in Bamberg: Ein kirchliches Welt-Unkulturerbe

Jahrhundertelang totgeschwiegen, doch nun kommt immer mehr an die Öffentlichkeit, was in Bamberg um das Jahr 1630 geschah, in der so genannten “Neuzeit”, wie es heißt, hier während des 30jährigen Krieges: Ca. 1000 unschuldige Menschen wurden allein in Bamberg Opfer des unsäglichen Terror-Regimes der römisch-katholische Kirche im Namen ihres katholischen Götzengottes.
Die Darlegungen in diesem “Modus” werden ergänzt durch einige Schaubilder und Interview-Ausschnitte mit Herrn Ralph Kloos, der sich maßgeblich dafür einsetzt, diese Zeit Bamberger Kirchengeschichte ans Licht zu bringen und der Opfer würdig zu gedenken, und dessen Recherchen in Wort und Bild auch zu einer wesentlichen Grundlage dieser Sendung wurden.

Unter Berufung auf die Kirchenheiligen Augustinus, Thomas von Aquin und weiterer bedeutender Talarträger der Kirchengeschichte wurden vor allem Frauen, die sich nicht von der klerikalen Männerwelt gleichschalten ließen, beschuldigt, mit dem “Teufel” im Bunde zu sein. Sie wurden deshalb grausamst gefoltert, unter der Folter zu falschen Geständnissen gezwungen und auch zur Denunziation weiterer Bürger, denen man unterstellte, sich nicht komplett dem Bischof und der katholischen Hierarchie zu unterwerfen, was auch zu deren Folter und Hinrichtung führte.
Neben den Fürstbistümern Würzburg, Trier und Köln wütete die Kirche vor allem in Bamberg unter Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1586 – 1633) und Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner (1568 – 1630), in der Kirchengeschichte bis heute gepriesen als “Seele der Gegenreformation” und Verfasser der “Palma Triumphalis” von 1621, ein über tausendseitiges Werk mit einer Zusammenstellung von katholischen Wallfahrtsorten in aller Welt und den dort angeblich gewirkten “Heilungsgeschichten”.

Auch Stadträte wurden auf Betreiben von Bischof Fuchs von Dornheim und von Weihbischof Förner ermordet: Bürgermeister, Ärzte, Weinhändler und viele ehrbare Bürger. Bekannt wurde der gefolterte und ermordete damalige Bürgermeister Johannes Junius oder der ebenfalls gefolterte und ermordete Kanzler Georg Haan. Während im heutigen Bamberg ein Kult um den kriegerischen gewalttätigen Bistumsgründer Kaiser Heinrich (um das Jahr 1000) betrieben wird, erinnerte offiziell nichts an diese und viele Hundert weitere Kirchenopfer, bis im Jahr 2015 wenigstens ein allgemeines Mahnmal an einem eher versteckten Ort eingeweiht wurde.
Die Kirche trieb mit bösartigsten Lügen, Denunziation, Folter und Mord ihr Programm der “moralischen und geistigen Erneuerung” voran, die “Schaffung einer vollkommen gottgefälligen Welt”, wozu sie alles ihrer Meinung nach “Böse” ausrotten wollte.
In Bamberg enstand auf diese Weise in der “Neuzeit” bereits eine Art Vorläufer des Orwell´schen Überwachungsstaates mit Verleumdungs- und Ausmerzungsmustern, die auch in späteren Zeiten immer wieder Anwendung fanden: So wurden nach dem Sündenbockprinzip die “Hexen” und “Zauberer” von Weihbischof Förner zum Beispiel für eine Missernte verantwortlich gemacht, was eine Schub neuer Hinrichtungen auslöste. Die Bevölkerung wurde von den Talarträgern mit Höllen- und Hinrichtungsdrohungen immer mehr traktiert, damit auf diese Weise das Bürgertum vernichtet wird und die Stadt in eine Art großes katholisches Kloster mit kirchenhörigen Sklaven-Bewohnern verwandelt wird, die sich aus Angst in bedingungslosem Gehorsam der kirchlichen Obrigkeit unterwerfen.

Grundlage für diese Terrorherrschaft ist die aus dem Mittelalter stammende, aber bis heute kirchlich gültige Zwei-Schwerter-Lehre, wonach beide Schwerter, das “geistliche” und das “weltliche”, der Kirche zu dienen hätten. Die Drahtzieher des Fürstbistums bereicherten sich dabei auch an ihren Opfern und konfiszierten auch deren Vermögen, so dass Bischof Fuchs von Dornheim 1632 mit 500.000 Gulden, Goldschätzen und Pelzen aus Bamberg in sein Asyl nach Österreich floh, als das Heer der Schweden kurz davor stand, Bamberg militärisch einzunehmen.
Neben den vielen Morden wurden die Talarträger auch zu Seelenmördern, weil die teuflische Priesterbrut sich auch noch auf “Christus” berief und weil nicht allen Kirchenopfern klar war, dass Kirche und Christus krasse Gegensätze sind. Bischof Fuchs von Dornheim traf in der Nähe von Wien mit 47 Jahren schließlich ein für ihn tödlicher Schlaganfall. Förner starb noch während der von ihm betriebenen Verfolgungen in Bamberg und erhielt dort in St. Martin sein Ehrengrab mit den üblichen kirchlichen Lobpreisungen, was für ein “gesegneter” Mann dies gewesen sei in seinem “fleckenlosem Wandel” und seiner “Weisheit”. Außenstehende mögen sich jedoch eher an das Sprichwort erinnern: Für manchen wäre es besser, er wäre nie geboren.

Der Mord an unzähligen Frauen und Männern war aber nicht nur auf die katholische Konfession beschränkt. Da die Lutheraner beweisen wollten, dass sie ebenfalls gegen den “Teufel” kämpfen und die ihnen Verdächtigen ermorden können, beteiligten sich auch lutherische Fürsten an der grausamen Inquisition und Ermordung angeblicher Hexen und Zauberer.
Diese Sendung dient dem Gedenken an die ungezählten Opfer der Priester und ihres Kirchengottes – Verbrechen, die bis heute ungesühnt sind. Doch in unserer Zeit gilt nun: Es ist vorbei. Die Zeit der Konfessionsgötter und der ihnen dienenden Talarträger ist abgelaufen.

(42:00)

Mehr zu den Hexenverfolgungen in Bamberg lesen Sie auch auf der Seite “´Die Stadt der Dämonen`- Das Bistum Bamberg und die Inquisition” – https://theologe.de/erzbistum_bamberg.htm

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